| 7.7.-15.8.1896 | First film show of the Lumiere's cinematograph at the Watson Hotel, Bombay. Publikum: rund 200 Leute, die pro Person 1 Re Eintritt zahlten. Filme: Arrival of a Train, The Sea Bath, Ladies and Soldiers on Wheels. Diese Vorführung war Teil einer weltweiten Kampagne, die die Brüder Lumière unternahmen: Ihre Agenten bereisten Länder zwecks Vorführung, nahmen dort weiteres Material auf, das dann in Paris archiviert wurde. Der indische Agent war Maurice Sestier, mit dessen Versuchen, in Indien zu filmen, die Lumière-Brüder äußerst unzufrieden waren (was vielleicht erklärt, weshalb im Lumière-Archiv kein indisches Material zu finden ist, vgl. Barnouw/Krishnaswamy 1963:3). Im Laufe der Zeit wurden die Eintrittsgelder abgestuft (von 4 Annas bis zu 2 Rupees), spezielle Sektoren für Frauen in Purdah wurden eingeführt, und eine Band unter der Leitung eines gewissen Mr. Seymour Dove begleitete die Vorführungen. |
| ab 4.1.1897 | Regelmäßige Vorführungen importierter Filme im Gaiety Theatre (Mr. Stewart), als dessen Konkurrenz sich bald das Tivoli entwickelte, wo ein gewisser Signor Roberty schwarze Magie und The Jubilee Procession zeigte. Weitere Kinematographen-ähnliche Maschinen, deren Propagatoren damals in Bombay tätig waren, sind "Stewart's Vitograph" beim Gaiety Theatre, Professor Anderson und Mlle Blanche mit ihrem "Andersonoscopograph". Währenddessen fanden auch schon in Calcutta Vorführungen statt, z.B. von einem Mr. Stevens, der im Anschluß an Bühnenaufführungen im Star Theatre kurze Filme gezeigt haben soll. Barnouw/Krishnaswamy 1963:6: "It seems clear, in spite ofthe four-anna seats and the attention to purdah ladies, that these early showings attracted mainly British residents, along with a few Indians 'of the educated classes' - especially those who identified their interests with those of the British." Filme, die damals gezeigt wurden: Mr. Gladstone's Funeral, Death of Nelson, Callon the London Fire Brigade, Scenes of the Greco-Turkish War; später: Our Indian Empire - Delhi, the Rome of Asia and Lucknow, Great Imambara Palace. 1898: Prof. Anderson's A Train Arriving at Bombay Station, Poona Races '98. Seine Show nannte er "Andersonoscopograph". Zur selben Zeit zeigte Prof. Stevenson seine Filme A Dancing Scene from the Flower of Persia, A Panorama of Indian Scenes and Processions. Nach diesen Vorführungen begannen sich zahlreiche begüterte Inder, für dieses neue Spielzeug Film zu interessieren. Einer, und zwar ein weniger begüterter, war Dandiraj Govind (vulgo Dadasaheb) Phalke. Er reiste nach England, um dort das Filmemachen zu lernen und sich mit den nötigen Geräten auszustatten. Dazu belegte er sein Land mit Hypotheken. Mit Kamera, printing-machine und Filmmaterial kam er zurück. Um dann seinen ersten Film zu drehen, versetzte er den Schmuck seiner Frau. |
| 1899 | Harischandra Sakaram Bhatvadekar (Sawe Dada) dreht zwei Kurzfilme, "The Wrestlers" (gedreht in Bombay's Hanging Gardens) und "The Man and the Monkey". Bhatvadekar hatte um 1880 ein Photostudio in Bombay eröffnet, und 1896, nach der bekanntenFilmvorführung, zum Preis von 21 guineas eine Filmkamera aus London bestellt. "The Wrestlers" mußte zur Entwicklung noch nach Londong geschickt werden. Bald wurde Bhatvadekar zum Chronisten wesentlicher Ereignisse, wie etwa der Rückkehr von R.P. Paranjpye, einem indischen Studenten, der in Cambridge für seine mathematischen Leistungen ausgezeichnet worden war, oder der Krönung von Edward VII. Bhatvadekar wurde bald Manager des Gaiety Theatre, das später in Capitol Cinema umbenannt wurde. Seine Abkehr von Produktion zugunsten von Vorführung machte ihn letztlich vermögend. Repräsentativ war Bhatvadekar nicht zuletzt deswegen, weil er den klassischen Filmpionier verkörperte: selbst drehend, selbst entwickelnd, selbst vorführend. In Calcutta zeigte unterdessen Hiralal Sen seine ersten Filme auf importiertem Gerät. |
| 1900 | Am 1.1. zeigt das Tivoli in Bombay (?) 25 importierte Filme auf Edison's Projecting Kinetoscope, darunter einer mit dem mißverständlichen Titel "Fatima, an Indian Dance". Musik wurde bei allen Filmen live von einer europäischen Frau gemacht. |
| 13.3.1913 | "Raja Harischandra", Dadasaheb Phalkes erster Film, wird im "Coronation Theatre" in Bombay aufgeführt. Der Film spielte seine Produktionskosten doch noch ein. Phalke selbst blieb ein Ein-Mann-Unternehmen, schrieb Dialoge, hielt die Kamera, schnitt Film, reiste landauf landab. Ein großes Problem war die Besetzung der Frauenrollen, da das Auftreten von Frauen in Rollen, die nicht der Wirklichkeit entsprachen (vor allem als liebende Frauen), als unschicklich galt. So verpflichtete Phalke für einen astronomischen Lohn von 15 Rs pro Monat unter großen Schwierigkeiten letztlich einen kleinen Buben für die wesentliche Frauenrolle. Phalkes Filme basieren wesentlich auf Mythologie. Seine Filme finden großen Anklang, da das Publikum sonst nur importierte Filme zu sehen bekommt. Weitere Filmpioniere: Dhiren Gangooly, Debaki Bose, Chandulal Shah. |
| 1917 | Dadasaheb Phalke's "Lanka Dahan" wird zum box-office-hit. |
| 1921 | die erste Sozialsatire entsteht: "England Returned" von Dhiren Gangooly - innerhalb von drei Monaten spielte der Film in nur einem Filmtheater in Calcutta die gesamten Produktionskosten von 20.000 Rs ein. Weitere Sozialsatire ("Meilenstein"): Gunasundari von Chandulal Shah. Der erste bemerkenswerte Film aus dem Süden: Bhishma Pratinga von der Star of East Company. Frank Osten dreht gemeinsam mit Himmans Rai Light of Asia, der auf dem Leben Buddhas basiert und in Europa zwar erfolgreich, in Indien aber weniger beliebt ist. Kinos selbst waren vorwiegend Wanderzelte. 1927 gab es 90 davon. Feste Filmtheater setzten sich erst langsam durch, 1926 gab es weniger als 300. Das Publikum fand sich vor allem in Groß- und Kleinstädten. Ein Film kostete damals rund 15 - 20.000 Rs. Für gewöhnlich wurden drei Kopien gemacht. Der Markt wurde trotz einer steigenden einheimischen Produktion von importierten Filmen dominiert, da diese sehr viel billiger waren: Für die großen Studios im Westen stellten jegliche Einnahmen in Indien überraschendes Zubrot dar, deswegen wurde "gedumpt". 1927-28 stammten nahezu 85% aller gezeigten Filme aus dem (westlichen) Ausland. Das führte unter anderem dazu, daß reiche Inder mit Investitionen in die neue Industrie zögerten, weil die Erfahrung gegen die Lukrativität einheimischer Filme sprach. |
| 1918 | Die Regierung erläßt den "Cinematograph Act". Filme mußten zwecks Aufführung Zertifikate erhalten. |
| 1922 | Die Regierung von Bengalen erläßt Quotenregelungen für den Import ausländischer Filme. 1923 tut dies auch die Regierung in Bombay (?). |
| 1927 | Das "Cinematographic Committee" wird gegründet, ihm obliegen Zensur und Quotenregelungen. |
| Ab 1930 | Die ersten Tonfilme erscheinen. Damit erhält die einheimische Produktion wesentlichen Auftrieb. Denn nun wird erst deutlich, was Oomen und Joseph als "vielleicht den einzigen Beitrag von Indien in der Entwicklung dieser Kunst" betrachten: Musik und Tanz als wesentliches dramatisches Element. Man kann sagen, daß der Tonfilm der an sich eher darniederliegenden traditionellen Mischung aus Drama, Tanz und Musik neuen Auftrieb verlieh. Zudem tritt mit dem Tonfilm eine Regionalisierung des Films nach Sprachgebieten ein. Erst jetzt entwickelt sich eine nennenswerte Filmindustrie im Süden, in Madras, in dem 1931 nur 4% aller in Indien hergestellten Filme produziert werden, Ende der Dreißiger Jahre sind es bereits 20%. |
| 1931 | Der erste Tonfilm entsteht: Ardeshir Irani's "Alam Ara", kostete 40.000 Rs und wurde erstmals am 4.3.1931 im Majestic Cinema in Bombay gezeigt. Darin ist auch der erste Filmsong enthalten: "De De Khuda Ke Naam Par Pyare". Sprache: Mischung zwischen Hindi und Urdu. Insgesamt 7 Filmsongs. Schauspieler: Zubeida, Master Vithal, Prithviraj Kapoor und W.M. Khan. 10.000 Fuß lang, Wilford Demming und Irani besorgten die Tonaufnahme. Der Tonfilm sorgte für ein enormes Anwachsen der Produktion. 1931 wurden 27 Spielfilme produziert (22 Hindi, 3 Bengali, 1 Tamil, 1 Telugu). 1976 waren es mehr als 507 und 1985 gar 912. |
| 1933 | erstmals wird in "Puran Bhakt" Hintergrundmusik eingesetzt. In den dreißiger Jahren entstehen die großen "Ein-Familien-Studios" wie etwa die Bombay Talkies, Madan oder die New Theatres in Calcutta. Diese Studios waren unabhängig und hatten fest verpflichtete Schauspieler. Die Schauspieler selbst waren kaum mehr als Angestellte: das heute enorm ausgeprägte Starsystem entstand erst im Zuge des Zweiten Weltkriegs. Von Anfang an war Bombay (quantitativ) das Zentrum des indischen Films. 1931 wurden 64% aller in Indien hergestellten Filme in Bombay produziert, während Bengalen nur 32% produzierte. |
| 1934 | Seeta, ein Film der New Theatres in Calcutta, wird in Venedig gezeigt. |
| 1935 | erstmals werden Playback-Sänger eingesetzt - "Doop Chaon". |
| 1936 | Prabhat's Sant Thukuram wird in Venedig gezeigt. Während dieser Zeit werden die ersten großen Filmorganisationen wie die All-India Motion Picture Society, die Indian Motion Picture Association in Bombay, die Bengal Motion Picture Association und die South Indian Film Chamber of Commerce gegründet. Es gibt mehr als 60 Filmzeitschriften. In Japan werden 27%, in den U.S.A. 22% und in Indien 9% aller Filme produziert. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs steht die Filmindustrie an 8. Stelle der Investitionsziele. |
| 1937 | Erster erfolgreicher Farbfilm: Ardeshir Irani's "Kisan Kanya". Der Zweite Weltkrieg sorgt für einen Boom der Filmindustrie. Das im Zuge kriegsüblicher Wirren angehäufte Kapital wurde vornehmlich in Filme investiert, da sich dort noch keinerlei Finanzkodizes etabliert hatten. Ein Schauspieler erhielt etwa am Papier 20.000, de facto erhielt er mehr als das Doppelte. Schauspieler spielten oft in mehreren Filmen gleichzeitig; eine Fülle von Desperados betraten die Szenerie - die großen Filmstudios mußten schließen, die Filmindustrie wurde zum Sammelbecken halbseidener Investoren, glitzernder Stars und - natürlich - schwärzesten Geldes. |
| 1948 | Das Film Enquiry Committee wird von der Regierung gegründet. |
| 1951 | Das Film Enquiry Committee empfiehlt in einem Bericht die Gründung einer Film Finance Corporation, eines Film Institute und eines Film Council. Auf den Bericht wird vorläufig nicht reagiert. Mit dem Wandel der Finanzierszene, die die Filmindustrie trägt, ändern sich auch die Produkte: Glamour, Glitzer, Schund (flapsig gesagt). Das Publikum setzt sich nunmehr vorwiegend aus der Arbeiterklasse zusammen, die ehrgeizigen Filmpioniere treten ab. Als Resultat verbleibt ein bis heute vorherrschendes Stereotyp, mit ein oder zwei Stars, ein paar Melodien und ein paar Tänzen. Paradebeispiel einer neuen Extravaganz: S.S. Vasan's Chandralekha. Das Muster verbreitet sich aufgrund seiner Universalität bald vom "All-India-Hindi-Film" in die einzelnen Filmregionen. Umso mehr mit dem Aufkommen von Farbfilmen in den Fünfzigern. Schwerpunkt der Filmindustrie ist nach wie vor Bombay. Die Teilung Indiens versetzt der "Konkurrenz" in Calcutta einen großen Schlag, da 60% des bengalischen Marktes de facto nach Pakistan (das damals noch Bangladesh umfasste) auswanderten. Mit Regisseuren wie Satyajit Ray, Rhithik Ghatak und Mrinal Sen erringt Calcutta aber den Ruf der Metropole für den anspruchsvollen Film. Im Laufe der Sechziger Jahre verstärken Anti-Hindi-Ressentiments etwa in Tamil Nadu die regionale Filmproduktion. Seit dem Zweiten Weltkrieg gelten der Star, der Musikproduzent und der Playbacksänger als (monetäre) Eckpfeiler der Produktion - auf sie entfällt etwa die Hälfte des gesamten Filmbudgets. Zurzeit verdient ein Superstar an die 5.000.000 Rs. pro Film. Diese enormen Kosten zwingen die Studios dazu, alle anderen Posten zu minimieren, wenn nicht gar zu streichen. |
| 1955 | Die Regierung von Bombay läßt von einem Kommittee die Arbeitsbedingungen in der Filmindustrie untersuchen. Resultat: ein Techniker erhält 17-175 Rs pro Monat, ein Star mehr als 200.000. "Die Lage wäre zufriedenstellend, wenn der offensichtliche Reichtum gleichmäßig verteilt oder gleichmäßig geteilt würde, aber leider würde vermutlich keine andere Industrie solch ein Bild der Mängelhaftigkeit in ihren Bestandteilen geben wie die Filmindustrie." Export: in den vierziger Jahren waren die Exporteinnahmen der Filmindustrie sehr gering, 1954 beliefen sie sich immerhin auf 97.000.000 Rs, 1980-81 an die 150 Millionen. |
| 1960 | Gründung der Film Finance Corporation (FFC), die die Herstellung guter Filme fördern soll. |
| 1975 | FFC wird mit der Indian Motion Picture Export Corporation (IMPEC) fusioniert, es entsteht die National Film Development Corporation (NFDC). "Sholay", der Prototyp des Curry-Western (einsamer Aufrechter kämpft im ländlichen Raum Nordindiens gegen korrupte, machthungrige Landebesitzer), entsteht. Fernsehapparate: 1975: 455.000, 1980: 15.470.00, 1985 67.500. 000. Preise sinken ständig. Video: etwa 700.000 Geräte. Raubkopien werden meist im Ausland gemacht. Da Filmproduzenten meist eine oder zwei Kopien eines Films in die Staate der Golfregion schicken, werden diese oft zur Herstellung von Raubkopien verwendet. Angeblich soll die Piraterie selbst in den Laboratorien der Studios ausgeführt werden. Amit Khanna (in Indian Cinema 1988) schätzt: 1 500 000 VCRs, 100 000 Video Libraries, 100 000 Video Parlours, 3 000 Video Coaches, 300 000 Videokassetten pro Monat verkauft, 85% "piracy penetration". 1987 gibt es 12.732 Kinos. Sitzplatzkapazität aber eher gering. Im Gegensatz zu den großen Studios in Amerika wird in Indien bei der Planung relativ viel dem Zufall überlassen. Der Filmbericht 1951: "Alles scheint elastisch, weder die Story noch der Drehplan sind endgültig." Der Regisseur ist bei weitem keine solche Autorität wie im Westen. Dreharbeiten dauern meist 3-4 Monate (Vergleich: USA, Japan - 1 Monat). Die lange Dauer erklärt sich dadurch, daß viele Stars in mehreren Filmen zugleich spielen und deswegen über längere Zeit unabkömmlich sein können. Noch vor Drehbeginn wird die Playback-Musik aufgenommen. Während der durchschnittliche amerikanische Film 1 Million Dollar kostet, verschlingt der indische nur 60.000 (540 000 Rs). Chandralekha, Sangam und Sholay sind extrem teure Filme gewesen. Seit Beginn der Achtziger Jahre haben sich die Produktionskosten etwa verzwölffacht. Daten zu bekommen ist freilich schwierig, da aufgrund des nach wie vor hohen Schwarzgeldanteils in der Filmindustrie kaum ein Studio seine Bilanzen offenlegt. Auch gibt es kein wirkliches Standardschema der Finanzierung - die "wildwestartigen" Finanzzustände dauern nach wie vor an. |
| 1990 | Nach Angaben des "International Film Guide 1992" wurden in diesem Jahr 948 Filme produziert. |